
(Foto: Annika Platt)
82.056 Schüler:innen und Lehrkräfte – 73.796 Schüler:innen und 8.260 Lehrer*innen – hatten sich für die landesweiten Filmvorführungen angemeldet. Damit bleiben die SchulKinoWochen im März ein zentraler Bestandteil kultureller Bildungsarbeit in Niedersachsen.
In diesem Jahr beteiligten sich 87 niedersächsische Kinos und Spielstätten. Lehrkräfte und Schüler*innen konnten aus über 85 Spiel-, Dokumentar-, Animations- und Kurzfilmen wählen und so den Unterricht um besondere Perspektiven erweitern.
Besucherzahlen in den niedersächsischen Kinos
2026 nahmen Kinos und Spielstätten in 77 Städten teil. Die meisten Anmeldungen verzeichneten das Cinestar Stade mit 2.737 und das Thega in Hildesheim mit 2.734 Schüler*innen und Lehrer*innen.
Über 100% mehr Schüler*innen und Lehrer*innen als 2025 besuchten die Kinos in Wolfsburg (Delphin), Diepholz, Quakenbrück (+176%), Norden und Schneverdingen; Holzminden (+96%) und Ankum (+97%) lagen knapp unter 100% plus.
Über 200% stiegen die Besucher*innenzahlen in Wittingen. Steigerungen über 50% wiesen in Hannover das Kino am Raschplatz sowie die Kinos in Lingen (Filmpalast Cineworld), Bramsche, Neu Wulmstorf und Damme auf.
Nach Orten lag wieder Hannover (Hannover-Stadt, -7% gegenüber 2025) vorn, vor Braunschweig (+11%) und Wolfsburg (+26%). Gegenüber 2025 sind Stade und Hildesheim um 2 Plätze nach unten gerutscht. So sind die größeren Städte zum ersten Mal seit langem wieder an der Spitze.
Starke Landkreise
Nach Landkreisen und kreisfreien Städten lag die Region Hannover vorn: 8.883 Anmeldungen (10 teilnehmende Kinos und Spielstätten in 7 Orten), gefolgt vom Landkreis Hildesheim mit 4.394 Anmeldungen (3 Kinos in 3 Orten) und dem Landkreis Diepholz mit 3.927 Anmeldungen (5 Kinos in 5 Orten). Landesweit waren von den 45 Landkreisen und kreisfreien Städte nur zwei nicht bei den SchulKinoWochen vertreten – ein starkes Signal wie präsent die SchulKinoWochen im Flächenland Niedersachsen sind.
Die Filme
Die meist besuchten Filme waren CHECKER TOBI – DIE HEIMLICHE HERRSCHERIN DER ERDE mit über 17.073 Besucher*innen, PADDINGTON IN PERU mit 5.321, DER WILDE ROBOTER mit 4.795 und MOMO mit 4.492 Besucher*innen. 20 Filme erreichten über 1.000 Schüler*innen, die weiteren 61 Filme teilten sich die restlichen Besucher*innen, wobei 21 Filme unter 100 Zuschauer*innen liegen.
Eröffnung im Delphin in Wolfsburg
Eröffnet wurden die SchulKinoWochen am 5. März 2026 im Delphin-Palast Wolfsburg, dem ältesten Filmtheater Wolfsburgs. 193 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte der Realschulen Vorsfelde und Groß Ilsede nahmen teil und machten den Kinosaal zum erweiterten, außerschulischen Lernort. Gezeigt wurde der Film DAS GEHEIME STOCKWERK, den im Verlauf der SchulKinoWochen landesweit dann über 4.000 Schülerinnen und Schüler gesehen haben.
Der Film verbindet Fantasy- und Krimielemente mit historischen Ereignissen und vermittelt kindgerecht Einblicke in die Zeit des Nationalsozialismus. Zu den Gästen der Eröffnung zählten unter anderem Wolfsburgs Oberbürgermeister Dennis Weilmann, Regisseur und Coproduzent Norbert Lechner, Hauptdarsteller Maximilian Reinwald und die Geschäftsführerin der Nordmedia Meike Götz.
Durch das Programm führte Moderatorin Gundi Doppelhammer gemeinsam mit Schülerinnen der Realschule Vorsfelde, die sich im Vorfeld in vier gemeinsamen Treffen mit uns auf den Film und die Veranstaltung intensiv vorbereitet hatten.
In einem Videogrußwort betonte Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg die besondere Bedeutung des Mediums Film für die Bildungsarbeit: Filme können Emotionen wecken, Perspektiven
eröffnen und Themen oft eindrücklicher vermitteln als klassische Unterrichtsformate. Im Anschluss an die Vorführung standen Regisseur und Hauptdarsteller für Fragen der Schüler*innen zur Verfügung. Auch Oberbürgermeister Dennis Weilmann unterstrich die Relevanz des Eröffnungsfilms: Gerade vor dem historischen Hintergrund Wolfsburgs sei es wichtig, sich mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Film könne Geschichte auf eine Weise erfahrbar machen, die nachhaltig wirke.
Filmgespräche zu ausgewählten Filmen
27 Vorstellungen wurden durch anschließende Filmgespräche erweitert, davon allein 5 zu DAS GEHEIME STOCKWERK (in Wolfsburg, Hannover (2), Lohne und Hildesheim). Dabei erhielten die Schüler*innen die Gelegenheit, Fragen zum Inhalt und zur Entstehung der gezeigten Filme direkt an die anwesenden Gäste zu richten. Zu den Sonderprogrammen zählten die Vorführungen des Spielfilms AMELIE RENNT im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2026 „Medizin der Zukunft“, die in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung stattfanden. Als Expert*innen waren Dr. Marie Bickes in Hannover und Dr. Christopher Wirks in Winsen/Luhe zu Gast.
Besonders nachhaltig wirkten die Vorstellungen mit der Regisseurin Cornelia Grünberg mit der Vorführung ihrer Langzeitdokumentation ACHTUNDZWANZIG – DER WEG ENTSTEHT IM GEHEN in Gronau/Leine, Hannover und Wunstorf, die junge Mütter über einen Zeitraum von vierzehn Jahren begleitete.
Rechtsanwalt Bernhard Dockes Teilnahme an einer Vorstellung von RABIYE KURNAZ VS. GEORGES W. BUSH führte zu längeren Diskussionen über Rechtsstaatlichkeit und Politik – nach der Filmvorführung und danach im naheliegenden Café.
Erwähnenswert ist auch eine Filmvorstellung der MÖLLNER BRIEFE in Osnabrück, die von einer Haupt-, einer Realschule und einer Oberschule besucht wurden, und zu der anschließend in der Schule in Wallenhorst ein Workshop mit Ibrahim Arslan durchgeführt wurde. „Der anschließende Workshop mit Herrn Arslan war die bestmögliche Begleitung, die wir haben konnten … das war gelebte Demokratie“, so berichtet der Lehrer in der Evaluierung.
Reaktionen von Lehrer*innen und Schüler*innen
An der diesjährigen Online-Evaluierung nahmen 415 Lehrer*innen teil. Einige Anmerkungen seien hier stellvertretend zitiert:
Selbstbestimmt einen Kinofilm aussuchen und ansehen zu können
41% aller an der Umfrage teilnehmenden Lehrer*innen geben an, dass die Filmauswahl von den Schüler*innen selbst gemacht wurde bzw. dass sie eingebunden waren und/oder dass über den zu besuchenden Film abgestimmt wurde.
„Meine SchülerInnen waren dankbar“, schrieb eine Lehrerin, „für den subventionierten Preis einmal selbstbestimmt einen Kinofilm aussuchen und ansehen zu können.“
Lernen im Kinomodus
Viele Schulen berichten auf ihren Webseiten bzw. auf Social Media über die Kinobesuche. Auch wenn nicht immer deutlich wird, wer da schreibt, ist es eine wichtige Reflexion über die Besuche der Vorstellungen im Rahmen der SchulKinoWochen. Einige Beispiele:
Wir erfahren über MOMO in der Neuen Schauburg Burgdorf: „Im Kino war es sehr voll und es herrschte eine besondere Stimmung, weil nur Schulklassen da waren. Als der Film anfing, war es erst ein bisschen ungewohnt, weil er anders war als typische Hollywoodfilme, aber genau das fanden Viele später richtig gut. Die Schauspieler haben die Figuren aus dem Roman richtig lebendig gemacht. Der Film zeigt wie wichtig Zeit und Freundschaft ist, und dass man nicht immer alles schneller und effizienter machen muss.“
Die 5a beim WILDEN ROBOTER: "Der Film war traurig und fröhlich zugleich, also sehr emotionsreich. Manche Mitschüler*innen musste sogar weinen.
Ab nach Cloppenburg zu den SchulKinoWochen: "Großes Kino für unsere 5. und 6. Klassen. Gestern hieß es für sie: Ab nach Cloppenburg zu den SchulKinoWochen. Gemeinsam mit Tobi tauchen die Schülerinnen und Schüler tief in die Geheimnisse unseres Planeten ein."
EIN TAG OHNE FRAUEN - Besuch der 8a im Roxy Kino Helmstedt: "Der Kinobesuch war für die Klasse eine interessante und nachdenklich stimmende Erfahrung und zeigt eindrucksvoll, welche Wirkung gemeinsamer Einsatz für gesellschaftliche Ziele haben kann. Einen besonderen Dank möchten wir den Betreibern des Roxys aussprechen, die uns wie schon im letzten Jahr ermöglichten, den Film in Originalsprache (allerdings mit Untertiteln) zu sehen."
Die Schulen
Die 1.136 Vorstellungen (plus 70 gegenüber 2025) wurden von 839 Schulen besucht, davon fünf aus Bremen und zwei aus Nordrhein-Westfalen. Dabei standen die Grundschulen mit 33,8% an der Spitze, gefolgt von den Förderschulen (15%), Oberschulen (11%) und Gymnasien (9,4%). Insgesamt nahmen 27% aller niedersächsischen Schulen an den SchulKinoWochen 2026 teil.
Von den landesweit 1.060.977 Schülerinnen und Schülern haben 7% an den 22. SchulKinoWochen teilgenommen.
Fortbildungen für Lehrkräfte
Zu diesen SchulKinoWochen fanden vier Fortbildungen zur Filmdidaktik im Zentralabitur Französisch 2026/2027 (La France et la francophonie) zum Film TWIST À BAMAKO in Hannover, Göttingen, Oldenburg und Lüneburg statt.
Projektpartner, Kooperationspartner und Förderer
Projektpartner waren 2025/2026 wieder die VISION KINO und das Film & Medienbüro Niedersachsen e.V. Kooperationspartner waren die Jugendpflege der Stadt Goslar, der Verein Kinema, BUNTES
DISPLAY Hattorf am Harz | Schaufenster für Demokratie, das Gymnasium Groß Ilsede sowie die Kompetenzzentren für Lehrkräftefortbildung an der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Hannover, der Georg-August-Universität-Göttingen und an der Universität Oldenburg.
Die einzige niedersächsische Jugend-Filmjury in Lüneburg mit ihrem neuen nationalen Träger Bundesverband Jugend und Film setzte ihre Arbeit mit Empfehlungen zu Kinofilmen für Kinder und Jugendliche unter dem Dach der SchulKinoWochen fort.
Gefördert wurden die 22. SchulKinoWochen von der VISION KINO, vom Niedersächsischen Kultusministerium, der Niedersächsischen Landesmedienanstalt sowie der Nordmedia.
Die nächsten SchulKinoWochen finden in Niedersachsen vom 4. bis 17. März 2027 statt.
Jörg Witte
Foto: Annika Platt