Das Sehpferdchen wächst über sich hinaus

Ein Rückblick auf das Filmfest Sehpferdchen 2026

Bunte Wimpel und tentakelartige Bänder schmücken das Kino im Künstlerhaus außen wie innen. Ein ebenso bunter Torbogen ziert den Eingang zum Kinosaal, daran hängen Plakate mit Sprüchen wie „Das wird famos, du Flitzpiepe!“

Und ja, es wurde famos! Zur Eröffnung des Filmfestes Sehpferdchen am Nachmittag des 8. März 2026 war der Saal voll, es gab Popcorn, und die jungen und älteren Gäste erlebten die Vorpremiere von „Das geheime Stockwerk". Der Film bietet in einer Mischung aus Historie, Krimi und Fantasy einen kindgerechten, doch ernsten Blick auf die NS-Zeit. Besonders die jungen Fans nutzten anschließend die Chance für Autogramme und Selfies mit Darsteller Maxi Reinwald und Regisseur Norbert Lechner. Ab dann entfaltete sich an elf weiteren Festivaltagen ein vielseitiges Programm aus Unterhaltung, Mitmachaktionen und Medienpädagogik. Insgesamt gab es 20 internationale Filme für junges Publikum sowie zwölf Filme für Erwachsene im Abendprogramm. Besondere Highlights waren die ECFA-Preisträger „Living Large“ (Dufková 2024) und „Zirkuskind“ (Lemke/Koch 2025), der Grimme-Preisträger „Grüße vom Mars“ (Winkenstette 2024), die spanischsprachige Originalvorführung von „Hola Frida“ (Vézina/Kadi 2024) und die deutschsprachige Premiere von „I accidentally wrote a Book“ (Lakos 2025).

In digitalen und in Live-Gesprächen mit Gästen aus der Filmbranche haben sich sowohl die Schulklassen am Vormittag als auch die Besucher*innen in den Nachmittagsvorstellungen angeregt über die Filme und das Filmemachen, die Geschichten und ihre eigenen Lebenswelten ausgetauscht. Und beim Familiensonntag zum Thema Trickfilm wurden Zuschauer*innen zu Schöpfer*innen: Da entstanden Daumenkinos, Stop-Motion-Experimente und neue Frida-Kahlo-Welten.

Am 17. März kürte die Jugendjury feierlich ihren Gewinner: „Hola Frida“. Die 14- bis 17-jährigen Jurymitglieder Noor, Jonah und Lenni, zuvor in Workshops geschult, bewerteten Kamera, Schnitt, Musik und Geschichte. „Dieser Film hat uns geflasht", so Jonah. „Die Animation wirkt einfach, strahlt aber Liebe zum Detail aus. Der Zeichenstil passt perfekt zu Frida Kahlo. Die unfassbare Schwere des Themas Tod wird durch die Farben und die Animation leichter." Der Film besticht durch seine feministische Perspektive und bestand den Bechdel-Test. Eine besondere Erwähnung und Urkunde erhielt der Film „Honey“ (2024) von Natasha Arthy für Regie, Buch und Musik.

Mit neuem Team und Design hat das Festival an Bedeutung gewonnen. Über 2.000 Menschen besuchten die Veranstaltungen in Hannover und Burgdorf, und neun Schulen, Kulturtreffs und Hortgruppen beteiligten sich an Patenprojekten, in denen sie eigene Kurzfilme sowie Foto- oder Kunstausstellungen schufen.

Das Filmfest Sehpferdchen 2026 wurde von der LAG Jugend & Film Niedersachsen e.V., dem Medienzentrum der Region Hannover, dem Kino im Künstlerhaus und der Stadtteilkultur Hannover veranstaltet. Dankbar gilt der Blick auf die Förderung durch nordmedia und die Region Hannover sowie auf den inspirierenden Austausch mit allen Gästen. Das nächste Fest findet voraussichtlich 2028 statt.

Text: Jacqueline Moschkau
Foto: Helge Krückeberg