Erster runder Tisch „Film und Demokratie“ in Niedersachsen

Branche diskutiert Umgang mit Angriffen auf Kulturfreiheit

Auf Initiative des Film & Medienbüro Niedersachsen e.V. (FMB) fand am 14. Januar 2026 von 17:00 bis 18:30 Uhr erstmals ein runder Tisch zum Thema „Film und Demokratie“ Niedersachsen statt. Die Online-Veranstaltung brachte rund 60 Teilnehmende aus Film- und Fernsehproduktion, Festivals, Kinos und kulturpolitischen Zusammenhängen zusammen. Moderiert wurde das Gespräch von dem FMB-Vorstandsmitglied Silke Merzhäuser, Drehbuchautorin und Produzentin.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die niedersächsische Filmbranche und die Medienpolitik zunehmende Angriffe rechtspopulistischer und rechtsextremer Akteure auf die Freiheit von Kunst und Kultur wahrnehmen – und wie darauf reagiert werden kann. Prominent vertreten war die Landespolitik: Die medienpolitischen Sprecher Tim Wook (SPD), Jens Nacke (CDU) und Detlef Schulz-Händel (Bündnis 90/Die Grünen) berichteten aus ihrer parlamentarischen Arbeit. Sie schilderten, dass Film- und Kulturförderung zunehmend Gegenstand von Anfragen, Debatten und Rechtfertigungsdruck seien und Fördermittel verstärkt grundsätzlich infrage gestellt würden. Die Abgeordneten riefen Kulturschaffende dazu auf, Debatten aufmerksam zu verfolgen und Haltung zu zeigen. Zugleich betonten sie, dass die Unabhängigkeit der Fördermittelvergabe in Niedersachsen gewährleistet sei, unter anderem durch die Einrichtung nordmedia.

Konkrete Erfahrungen aus der Praxis ergänzten die politische Perspektive: Der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Jan Eilhardt, der mit seinem im Harz gedrehten Film „Janine zieht aufs Land“ auch international Aufmerksamkeit erlangte, berichtete von Anfeindungen gegen sich und Teammitglieder während Dreharbeiten in der niedersächsischen Provinz. Die langjährige Leiterin des Unabhängigen Filmfests Osnabrück, Julia Scheck, schilderte eine hetzerische Online-Darstellung ihrer Person auf einem „Nachrichtenportal“, bei der sie mit Fotoabbildung zum Ziel von Verschwörungserzählungen über die deutsche Filmförderlandschaft gemacht worden sei.

Für das Film & Medienbüro Niedersachsen berichtete Florian Vollmers von einer Interviewanfrage der Bild-Redaktion Sachsen-Anhalt. Anlass war die Veröffentlichung einer Green-Storytelling-Checkliste; die Anfrage habe suggeriert, ökologische Leitlinien würden die künstlerische Freiheit unter Anpassungsdruck setzen. Es wurde provozierend nachgefragt, ob das FMB die Leitlinien zur „Bedingung“ von Fördergeldern mache, obwohl die Freiwilligkeit der Checkliste explizit ausformuliert ist und das FMB keine Förderentscheidungen fällt.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Diskutiert wurde insbesondere das Szenario einer möglichen Aufkündigung des Staatsvertrags in Mecklenburg-Vorpommern und die Folgen für den NDR, für Filmschaffende und für Förderstrukturen insgesamt.

Aus ostdeutscher Perspektive berichtete Jana Cernik (AG Kurzfilm) von bereits erfolgten Kürzungen in der Soziokultur in Sachsen und von regionalen Bündnissen, die sich dagegen formiert hätten. Zugleich relativierte sie verbreitete westdeutsche Wahrnehmungen und betonte, dass es in Ostdeutschland vielfältige organisierte Gegenwehr und Proteste gebe, die jedoch medial oft wenig sichtbar seien.

In der abschließenden Diskussion wurde ein deutlicher Bedarf nach weiterem Austausch sichtbar. Gefordert wurden unter anderem konkrete Handlungsanweisungen für Vorfälle bei Dreharbeiten oder bei koordinierten Social-Media-Kampagnen sowie eine stärkere Vernetzung. Das Film & Medienbüro Niedersachsen wurde als mögliche zentrale Anlaufstelle benannt, um weitere Initiativen zu koordinieren; angeregt wurde etwa ein Workshop mit dem Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus.

Einigkeit bestand darüber, den Dialog fortzusetzen und gemeinsam Konzepte für Austausch, Vernetzung und frühzeitige Reaktionen auf Angriffe gegen die Kulturfreiheit zu entwickeln. Die medienpolitischen Sprecher wie auch die Teilnehmenden aus der Branche äußerten Dank darüber, dass mit dem Runden Tisch ein Raum für dieses Gespräch eröffnet worden sei.

Das Film & Medienbüro Niedersachsen ist Mitglied im bundesweiten Netzwerk Film & Demokratie. In den dortigen bundesweiten Austauschtreffen wurde bereits deutlich, dass sich in allen Regionen Deutschlands zahlreiche Institutionen, Initiativen und Kulturschaffende intensiv mit Angriffen auf Kulturfreiheit, demokratische Werte und künstlerische Unabhängigkeit auseinandersetzen. Vor diesem Hintergrund war im Film & Medienbüro Niedersachsen der Wunsch entstanden, diese Diskussion auch auf Landesebene zu führen und in Niedersachsen bewusst einen eigenen Anfang für Austausch, Vernetzung und gemeinsame Strategien zu machen.