Filmbüros und Filmverbände

trafen sich in Hannover zum Austausch

Am 23. Juni 2015 trafen sich in Hannover im Kino im Künstlerhaus Filmbüros und Filmverbände und tauschten sich über die Perspektiven kultureller Filmförderungen in den jeweiligen Bundesländern aus.

Beim Treffen nahmen teil:

Vordere Reihe v.li.: Torsten Reglin (Filmbüro NW, Arne Sommer (Filmwerkstatt Kiel), Sabine Matthiesen (Filmbüro MV), Dr. Julia Dordel (FMB, Film & Medienbüro Niedersachen), Ilona Rieke (Filmbüro Bremen), Peter Roloff (Filmbüro Bremen), Karl Maier, Christian Kelm (beide FMB).

Hintere Reihe: Fabian Schauren (Bundesverband kommunale Filmarbeit), Erwin Heberling (Film- und Kinobüro Hessen), Hannes Karnick (AG DOK Hessen), Bernd Wolter (FMB), Klaus Becker (Filmbüro Bremen), Ulrike Westermann (AG DOK Nord), Jörg Witte (Filmbüro Saar), Angela Linders (AG DOK Nord).

WAGEN STATT VERZAGEN!

Für eine Filmförderung jenseits von wirtschaftlichen Zwängen und Quotendruck

Vertreterinnen und Vertreter der Filmbüros Hessen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen, der Filmwerkstatt Kiel und der Verbände AG DOK und Bundesverband kommunale Filmarbeit, trafen sich auf Einladung des Film & Medienbüros Niedersachsen am 23.06.2015 in Hannover zu einem Erfahrungsaustausch über die Situation der kulturellen Filmförderung in Deutschland.

Die Teilnehmer stellten übereinstimmend fest, dass die kulturelle Filmförderung eine bedrohte Spezies ist. Die Förderung von innovativen und experimentellen Filmen außerhalb von Verwertungszwängen ist bei den kulturwirtschaftlichen Förderungen kaum möglich. Dabei sind es meist solch künstlerisch eigenständige Produktionen, die ästhetische Erlebnisse versprechen, die Diskussionen auslösen, und die mit ihren individuellen Handschriften zum Lebenselixier einer demokratisch verfassten Öffentlichkeit gehören. Kulturelle Filmförderungen spielen die zentrale Rolle bei der Talent- und Nachwuchsförderung und der Erarbeitung neuer ästhetischer und inhaltlicher Perspektiven.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Filmbüros und Verbände fordern deshalb:

  • eine Kurskorrektur in der Schwerpunktsetzung der Filmförderungen, insbesondere eine stärkere Gewichtung unabhängiger kultureller Kriterien bei der Förderung von Filmvorhaben.
  • eine bessere Ausstattung der vorhandenen kulturellen Filmförderungen
  • Filmische Experimente und ungewöhnlicher Stoffe sind wichtiger als programmierbare Kassenerfolge und eine “more of the same” - Fördermentalität
  • Filmstudenten und -studentinnen mehr Spielraum für individuelle Handschriften zu geben statt Anpassung und Ausrichtung am Mainstream
  • die Anerkennung der Filmkultur als eigenständigen Bereich der Kultur und nicht nur als Anhängsel einer schicken „Kreativwirtschaft“
  • Öffnung für neue Produktions- und Vertriebsformen
  • die Förderung und Unterstützung von wegweisenden Innovationen, die dann auch in den Bereich der wirtschaftlich orientierten Produktionslandschaft und des Fernsehens zurück wirken können
  • eine gezielte Förderung des Filmabspiels von kulturell und künstlerisch orientierten Filmen
  • Stärkung der Fördermaßnahmen zum Erhalt einer vielfältigen Kino- und Filmfestivalszene, besonders in den Regionen, in denen das Kinosterben um sich greift.

Nur so können Filme entstehen und gesehen werden, die radikal, mutig und gegen den Strich gebürstet sind und die im Wandel der digitalen Welten neue, unverbrauchte Sichtweisen ermöglichen. Solche Produktionen können nur dort entstehen, wo zuvor ein kreativer kultureller Nährboden geschaffen wurde. Eine vielfältige, kulturell geprägte Kino- und Festivallandschaft ist unerlässlich, um diesen Filmen öffentliche Foren bieten zu können.

Eine zeitgemäße Filmförderung muss Chancen eröffnen, größeres kreatives Risiko ermöglichen, statt Konventionen zu bedienen, die im herkömmlichen Filmbusiness bereits in Überzahl hergestellt werden.

Filmbüro Bremen, Film- und Kinobüro Hessen, Filmbüro Mecklenburg-Vorpommern, Filmbüro NW, Film & Medienbüro Niedersachsen, Filmwerkstatt Kiel, Bundesverband Kommunale Filmarbeit und Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm.